Vier Tage wilder Osten – auf nach Moskau!

Dienstag, 11. September

Die Grenze zwischen Weißrussland und Russland in Krasnoye erreichen wir um kurz vor halb zwei Uhr in der Nacht. An der Grenze müssen wir nur unsere Transportdokumente und die Pässe vorzeigen. Die ganze Prozedur dauert keine Viertelstunde, auch wegen der „Bearbeitungsgebühr“ von zehn Euro, die im Unterschied zu Weißrussland in Russland herzlich willkommen ist. An der Grenze verändert sich der Zustand der Fahrbahn, sie ist ein mit Schlaglöchern durchsetzter Flickenteppich.

Die Grenzkontrolle ist nur die Vorstufe zur eigentlichen Zollabfertigung. Dazu fahren wir gut 80 Kilometer weiter auf der M1/E30 zum Zollamt Alfa Trans Terminal in Stabna. Ich hatte erwartet, dass das Zollterminal direkt an der M1 liegt und bin nicht schlecht erstaunt, als Sylwester die Hauptstrecke verlässt und gut sieben Kilometer weit auf einer hügeligen Nebenstrecke zum Zollterminal fährt. Sylwester berichtet, dass es dort im Winter zehn Grad kälter ist als in Moskau ist und immer Schnee liegt. Oft ist das Zollterminal ohne Schneeketten kaum zu erreichen.

Nachts um drei Uhr taucht die Zollstation vor uns auf. Sylwester erzählt, dass das Alfa Trans Terminal im Jahr 2014 auf der grünen Wiese errichtet wurde. Zoll und Broker sind in Containern und Fertighäusern untergebracht, es gibt Geschäfte und einen Imbiss und eine Parkplatzfläche für über 800 LKW.

Wir lassen uns sofort registrieren und bekommen in der Nähe der Einfahrt einen Parkplatz zugewiesen. 20 Rubel waren dabei sehr hilfreich. Unverzüglich geben wir die Dokumente beim Zoll ab. Nun heißt es warten, bis wir gerufen werden. Der Zeitplan sah ohnehin eine Pause von neun Stunden für den Fahrer vor, also legen wir uns aufs Ohr, Sylwester auf dem unteren Bett, ich auf der Schaumstoffmatratze auf der Pritsche oben.

Ich bin einigermaßen erledigt, trotzdem bekomme ich in der Nacht kaum ein Auge zu. Schuld daran ist die Geräuschkulisse. Rund um uns stehen fast nur Thermoauflieger, die Aggregate laufen pausenlos. Zudem müssen die Fahrer ungefähr alle vier Stunden den Motor wegen des Stromverbrauchs laufen lassen. Auch unser Aggregat trägt zur Geräuschkulisse bei, auch wir werfen in den Morgenstunden den Motor an. Im Winter, erklärt mir Sylwester, laufen die Motoren fast rund um die Uhr.

Am anderen Morgen werden wir früh wach. Die Morgentoilette mit Waschen und Zähneputzen erledigen wir am LKW. Jetzt bin ich froh, dass Sylwester so viel Wasser mitgenommen hat. Das Wasser aus dem Hahn hat einen unbeschreiblichen Geruch. Von den sanitären Einrichtungen bin ich geschockt. Bei einer Kapazität für 800 LKW gibt es dort keine Duschen und nur rund 20 Container mit jeweils zwei Toiletten und zwei Waschbecken. Damit nicht genug. Ich erfahre: Die Kanalisation kapituliert vor den anfallenden Mengen an Toilettenpapier. Um Verstopfungen zu vermeiden, werden die Fahrer angehalten, das benutzte Klopapier in den Eimer neben der Schüssel zu werfen. Es kostet mich Überwindung, dort mein Geschäft zu erledigen. Sylwester lacht nur und meint, ich soll mal die Entladestelle abwarten.

Den ganzen Tag verbringen wir damit, das Gelände zu erkunden, mit anderen Fahrern Gespräche zu führen und zu schlafen. Dabei überwachen wir abwechselnd den Kanal 28 des CB-Funkgeräts, über das der Zoll die Fahrer ruft. Kurz nach 17 Uhr kommt die Nachricht, dass wir die Dokumente abholen können. Endlich geht es weiter Richtung Moskau.

Zwischendurch legen wir 45 Minuten Pause an einer Raststation ein. Dort können wir duschen. Fahrer, die wir am Alfa Trans Terminal kennengelernt haben, haben uns die Einrichtung als sehr sauber empfohlen. Was sauber ist, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Ich war froh, Badelatschen dabei zu haben, und dass warmes Wasser kam.

Nach dem Zwischenstopp fahren wir weiter Richtung Moskau auf der A-107, auch bekannt als äußerster Moskauer Ring. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass es sich dabei um eine autobahnähnliche Straße handelt und sehe nun, dass wir uns auf einer schlechten Landstraße mit jeweils einer Spur bewegen.

 

… am Montag geht es weiter …. seien Sie gespannt! 

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