Vier Tage wilder Osten – Grenzkontrollen mal anders

Montag, 10. September

Zur Mittagszeit brechen wir auf. Sylwester besteht darauf, dass wir die Straßenschuhe ausziehen. Seine Kabine, seine Regeln. Ich kann Sylwester gut verstehen, wenn er in seiner Kabine Wert auf Sauberkeit und Ordnung legt. Es wird nicht lange dauern, bis ich Sylwester noch besser verstehe. In was wir auf unserer Fahrt überall rein treten werden …

Noch immer bin ich beunruhigt, ob das mit dem Visum klappt… Es klappt. Sylwester holt das Visum bei einem Zwischenstopp ab, zwei Stunden nach unserer Abfahrt erreichen wir den Grenzübergang von Kukuryki in Polen nach Kozłowiczy in Weißrussland. Nur wenige Fahrzeuge warten vor uns auf die Abfertigung. Wir haben Grund zur Hoffnung, schnell über die Grenze zu kommen.

Die erste Station auf der polnischen Seite ist die Waage, also die Gewichtskontrolle. Anschließend geht es zur eigentlichen Grenzabfertigung beim Zoll.

Was mir komisch vorkommt: Der polnische und der weißrussische Zoll sitzen in zwei verschiedenen Terminals. Sylwester klärt mich auf: Ohne mit den Weißrussen Rücksprache zu halten, haben die Polen ihr Terminal gebaut und dann der Gegenseite angeboten, dort einzuziehen. Die weißrussische Seite zog es jedoch vor, ein eigenes Terminal zu bauen. Zwischen den beiden Zollstationen liegen jetzt gute sieben Kilometer. Die Straße ist eingezäunt und mit Kameras gesichert, alles auf Kosten der EU, weil es sich um die EU-Außengrenze handelt.

Die letzte Station auf dem Weg zum weißrussischen Terminal ist die Kontrolle bei der Straż Graniczna, dem polnischen Grenzschutz. Die Beamten prüfen unsere Pässe und durchsuchen die Kabine und die Palettenkästen. Die Abfertigungsprozedur auf der polnischen Seite dauert gut anderthalb Stunden. Auf der weißrussischen Seite haben wir die gleichen Abfertigungsschritte vor uns. Was für eine Zeitvergeudung! Knapp vier Stunden nach unserem Eintreffen an der Grenze sind wir in Weißrussland, bis Minsk sind es noch 327 Kilometer.

Bei der Grenzabfertigung fällt mir auf, dass sowohl die polnischen wie auch die weißrussischen Zöllner sehr unfreundlich sind und ihre Machtstellung gegenüber den Fahrern deutlich spüren lassen haben. Kein „Guten Tag“, „gute Fahrt“ oder „auf Wiedersehn“! Dafür barsche Anweisungen.

Mit Verwunderung sehe ich auch auf der weißrussischen Seite, dass an jedem Abfertigungsfenster eine Warnung aushängt, dass die Bestechung der Zöllner, alles sehr junge Männer, strafbar sei und alle Büros überwacht werden. Auch dafür hat Sylwester eine Erklärung. Die Lukaszenko-Regierung hat ordentlich aufgeräumt. Die „alten“ bestechlichen Beamten wurden verhaftet und durch junge Zöllner ersetzt.

Nun geht es auf der M1/E30 durch Weißrussland. Es herrscht wenig Verkehr, die zweispurige Fahrbahn ist schon etwas älter, aber sehr sauber und gepflegt. Ich bin positiv überrascht.

In der Nähe von Minsk legt Sylwester eine Dreiviertelstunde lang Pause ein. Auf dem Gaskocher machen wir uns einen Tee, auf der Ablage schmieren wir Stullen. Gegessen wird in der Kabine. Die heutigen Kabinen sind mit Kühlschrank, Fernseher und Mikrowelle gut ausgestattet. Es wird Nacht, meine erste in einem LKW.

 

Wie es mit unserem Tandem auf seiner Reise weitergeht und welche Abenteuer auf unsere Helden zukommen? Lesen Sie in Kürze mehr.

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