Vier Tage Wilder Osten!

Raus aus der Komfortzone des Bürojobs und hinein in die raue Wirklichkeit: Vom Chefsessel wechselte Rafael Poplawski – Geschäftsführer unserer Niederlassung in Lübeck – auf den Beifahrersitz und begleitete vier Tage lang einen Schokoladentransport vom polnischen Łosice nach Moskau und wieder zurück. In seinem Reisetagebuch berichtet Rafael Poplawski von herzlicher Gastfreundschaft, aber auch von prekären hygienischen Verhältnissen entlang der Strecke, von barschen Grenzern und stundenlangem stumpfsinnigem Warten auf die Abfertigung. Die wichtigste Erkenntnis, die in Rafael Poplawski während seiner Reise reifte: Fahren bedeutet organisieren – und mit vielfältigen Entbehrungen klar zu kommen.

In der Osteuropalogistik kennt sich Rafael Poplawski bestens aus. Seit 1996 ist er im Geschäft mit Osteuropa, Russland und der GUS aktiv, seit 2010 als geschäftsführender Gesellschafter der Transco East GmbH mit Sitz in Lübeck. Allein im vergangenen Jahr organisierten er und sein Team 4.000 LKW-Ladungen in den Osten. Natürlich hat Poplawski sämtliche Länder Osteuropas bereist, aber stets nur mit dem Flugzeug oder dem PKW. „Dabei hat es mich schon immer interessiert, was die Fahrer unterwegs erleben“, erklärt der 47-Jährige. „Im Büro bekomme ich nur mit, wenn irgendetwas nicht funktioniert. Ich wollte mir immer schon direkt vor Ort ansehen, woran es hapert und warum etwas nicht klappt.“

Mit dem Gedanken, einen von seiner Firma georderten Transport zu begleiten, trug sich Poplawski schon länger. Die Umsetzung war schwerer als gedacht: Die eingesetzten Transporteure reagierten mit Unverständnis auf sein Ansinnen, kein Fahrer war bereit, den Kunden mitzunehmen. „Hauptsächlich geht es den Fahrern um ihre Privatsphäre im LKW“, mutmaßt Poplawski. „Zudem möchten die Transporteure nicht alle ihre Karten vor mir als ihrem Kunden offenlegen. Auch ich hätte ein Problem damit, wenn mich ein Kunde eine Woche lang auf Schritt und Tritt begleiten würde.“ Es bedurfte einiger vertrauensbildender Maßnahmen, ehe sich Sylwester Rozwadowski, Inhaber des polnischen Transportunternehmens Rotex, dazu bereiterklärte, seinen Kunden auf die Tour nach Moskau mitzunehmen. Fahren sollte aber nicht ein angestellter Fahrer, vielmehr machte es Sylwester Rozwadowski zur Bedingung, den Sattelzug selbst zu steuern.

Von seiner Reise hat Rafael Poplawski viele Erkenntnisse mitgebracht: „Ich habe die Erfahrung gemacht, wie stark die Fahrer draußen an jedem Haltepunkt fremdbestimmt sind und kann jetzt besser verstehen, was auf einer Tour passieren kann.“ Auch könne er nun den Kunden gegenüber bei Verzögerungen besser argumentieren. Fest vorgenommen hat sich Poplawski, den Fahrern zukünftig mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Seinen Kollegen rät er, sich ebenfalls vor Ort ein Bild zu machen und sich mit Fahrern auf den Bock zu setzen. Poplawski: „Ob Nahverkehr oder internationaler Fernverkehr – ich bin sicher, dass jede Führungskraft und jeder Disponent von einer Mitfahrt wichtige Erkenntnisse und neue Impulse mitbringt.“

Seine Erlebnisse hat Rafael Poplawski in einem Reisetagebuch festgehalten. Freuen Sie sich in Kürze auf Tag 1 der Reise…

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