Warum die Verteidigungsindustrie neben neuen Produktionskapazitäten auch belastbare Logistikstrukturen braucht.
22.09.2026 von TRANSCO Team
Deutschland und Europa bauen ihre Verteidigungsindustrie aus. Neue Werke, zusätzliche Produktionslinien und steigende Fertigungskapazitäten sollen die industrielle Basis stärken und die Lieferfähigkeit erhöhen. Damit wächst gleichzeitig die Bedeutung einer Frage, die häufig erst im zweiten Schritt betrachtet wird: Wie lassen sich die dahinterliegenden Defence Supply Chains zuverlässig, sicher und flexibel organisieren?
Denn mehr Produktion allein macht eine Lieferkette noch nicht resilient. Hersteller und Zulieferer aus Defence und Dual Use benötigen geeignete Lagerflächen, verlässliche Transportverbindungen, funktionierende Zollprozesse und die Möglichkeit, Warenströme bei veränderten Rahmenbedingungen anzupassen.
Gerade internationale Lieferketten sind verschiedenen Risiken ausgesetzt. Engpässe an Grenzen, veränderte regulatorische Anforderungen, geopolitische Entwicklungen, Transportausfälle oder kurzfristige Einschränkungen einzelner Routen können sich unmittelbar auf Beschaffung, Produktionsversorgung und Distribution auswirken. Auch die Bundesregierung und Industrieverbände stellen deshalb die Diversifizierung und Resilienz von Lieferketten als wichtige Voraussetzung für den Hochlauf der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie heraus.
Mit dem neuen Logistikzentrum in Singen erweitert TRANSCO seine Möglichkeiten für die Lagerung und logistische Bearbeitung industrieller Güter. Rund 40 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den neuen Standort. Vorgesehen sind mehr als 22.000 Palettenstellplätze. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.
Für Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie und dem Dual-Use-Umfeld ist dabei nicht allein die verfügbare Lagerfläche relevant. Entscheidend ist, welche Prozesse sich an einem Standort abbilden und mit weiteren logistischen Leistungen verbinden lassen. Das neue Logistikzentrum ist deshalb auf unterschiedliche Anforderungen industrieller Supply Chains ausgelegt. Ein integrierter Gefahrstoffbereich erweitert die Möglichkeiten für die sichere Lagerung und das Handling sensibler Güter, beispielsweise wassergefährdender Stoffe oder bestimmter Lithium-Batterien. Hinzu kommen Value Added Services, die über die klassische Lagerung und Distribution hinausgehen. Dazu gehören unter anderem:
Physische Sicherheitskonzepte, digitale Kontrolle und moderne Lagertechnik unterstützen dabei sichere und effiziente Prozesse.
Das Logistikzentrum entsteht in Singen am Hohentwiel in unmittelbarer Nähe zur Schweizer Grenze. Die Lage an wichtigen Verkehrsachsen der Bodenseeregion sowie die Nähe zur Autobahn und zum Hupac-Terminal schaffen gute Voraussetzungen für grenzüberschreitende und kombinierte Transporte.
Damit ist der Standort nicht isoliert zu betrachten. Er wird Teil des europäischen TRANSCO-Netzwerks mit weiteren Logistik- und Transportstandorten, unter anderem in der Rhein-Main-Region und im Ruhrgebiet. Für Unternehmen mit internationalen Warenströmen entstehen dadurch verschiedene Möglichkeiten, Lagerung, Transport und weitere logistische Prozesse über mehrere Regionen hinweg zu organisieren.
Bei internationalen Defence Supply Chains endet die logistische Aufgabe nicht am Lager. Materialien, Komponenten und Ersatzteile müssen über Ländergrenzen hinweg zuverlässig an den richtigen Ort gelangen – häufig unter besonderen zeitlichen, sicherheitsbezogenen und regulatorischen Anforderungen. Damit wird die Verbindung von Transport und Zoll zu einem wichtigen Bestandteil der Lieferkette.
Wir verbinden eigene Transport-Services über verschiedene Verkehrsträger mit integrierten Verzollungsdienstleistungen. Neben europaweiten Straßentransporten gehören dazu auch kombinierte Lösungen aus Straße und Schiene. Über das Hupac-Netzwerk lassen sich längere Strecken auf der Schiene mit Vor- und Nachläufen per Lkw verbinden. Das kann insbesondere dann relevant sein, wenn Transportwege verändert, Verkehrsträger kombiniert oder zusätzliche Routen in die Planung einbezogen werden sollen. Ergänzend verfügt TRANSCO über eigene Zollstandorte an wichtigen Grenzübergängen. Dadurch können Zollprozesse direkt in die Planung grenzüberschreitender Warenströme einbezogen werden.
Resilienz bedeutet in der Logistik nicht, dass Störungen vollständig ausgeschlossen werden können. Entscheidend ist vielmehr, wie schnell und flexibel eine Lieferkette auf Veränderungen reagieren kann. Für die Verteidigungsindustrie können dabei mehrere Faktoren eine Rolle spielen:
Für die TRANSCO-Gruppe ist Defence ein strategisches Wachstumsfeld, das eng mit ihrer bestehenden Kompetenz in Industrie- und internationaler Logistik verbunden ist. Dabei geht es nicht darum, eine einzelne Transport- oder Lagerleistung anzubieten. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Prozesse: von der Lagerung über Value Added Services und Transport bis hin zu Zoll und grenzüberschreitender Distribution.
Der Ausbau der Verteidigungsindustrie erhöht nicht nur den Bedarf an Produktionskapazitäten. Mit steigenden Produktionsvolumina wachsen auch die Anforderungen an Beschaffung, Zwischenlagerung, Produktionsversorgung, Transport und Distribution. Resiliente Defence Supply Chains entstehen deshalb nicht allein in den Produktionshallen. Sie brauchen auch belastbare Verbindungen zwischen Lieferanten, Produktionsstandorten, Lagern, Zollstellen und Kunden.
Mit dem neuen Logistikzentrum in Singen schaffen wir dafür zusätzliche Möglichkeiten. Der Standort verbindet moderne Lagerlogistik mit Value Added Services und der Einbindung in ein europäisches Transport- und Zollnetzwerk. Denn wenn die europäische Verteidigungsindustrie wachsen soll, muss auch die Logistik dahinter mitwachsen.
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